Amazon Prime gibt es nur ohne Mehrwertsteuer

Foto: Simon Pannock

Foto: Simon Pannock

Seit einigen Wochen bin ich stolzer Besitzer einer Amazon Prime-Mitgliedschaft. Nun genieße ich fast allabendlich einen schönen Blockbuster oder Serie, frisch gestreamt über den Amazon-Fire-TV, hinein in mein Wohnzimmer. Ein super Ding!
Heute stellte ich beim checken meiner Kontobewegungen die erste Abbuchung fest. 49,00 Euro für ein Jahr Amazon-Prime inkl. Instant-Video. Alles richtig. So soll es sein.
Ich wunderte mich allerdings, nie eine Rechnung gesehen zu haben. Ist die Rechnung möglicherweise im Spam-Ordner gelandet? Wie könnte das sein, ich bestelle öfters bei Amazon. Die Rechnungen kommen immer fix per Email an. Aber nein, diesmal nicht. Es gab schlicht und einfach keine Rechnung. In den tiefen der Amazon-Online-Hilfe habe ich dies auch bestätigt bekommen. Es wird lediglich ein Wisch-Wasch von Quittung zum download angeboten. Auf dieser Quittung fehlt die Ausweisung der Mehrwertsteuer. Warum nur, frage ich mich. Ist es so schwer aus den 49 Euro die Mehrwertsteuer herauszurechnen?

Im Amazon-Hilfecenter habe ich die Antwort bei einem Support-Mitarbeiter im „Hilfechat“ gesucht. Die Antwort lies nicht lange auf sich warten:

Amazon: Die Ausstellung mit Mwst ist ja nur für firmen zum Abstzen sinnvoll. prime ist allerdings nur für Privat personen, daher gibt es diese Funktion nicht
Ich: Das ist ärgerlich. Gibt es da keine Möglichkeit?
Leider wurde Ihre letzte Nachricht möglicherweise nicht abgeschickt.
Amazon: leider nein. da dies ganze nur für Privatpersonen ausgelegt ist.

Das verstehe ich jetzt irgendwie nicht. Im Supermarkt gehe ich auch einkaufen und bekomme für jeden Liter Milch, den ich für meinen täglichen Frühstücks-Kakao benötige, eine Quittung mit ausgewiesenen Mehrwertsteuern ausgehändigt. Diese Mehrwertsteuer kann und will ich auch nicht absetzen. Also bleibt die Frage: Warum macht das ansonsten extrem kundenfreundlich orientierte Unternehmen, jetzt die Oberzicke? Doch auch eine erneute Nachfrage brachte wenig Licht ans Tageslicht.

Ich: … Ich würde gerne verstehen, wieso keine Mwst. ausgewiesen werden können. Wenn ich mich recht erinnere, besteht sogar die Pflicht in Deutschland dazu. Jeder Supermarkt stellt für Cent-Beträge eine Rechnung aus….
Amazon:ich frage gern meinen Vorgesetzten dazu noch einmal an
einen Moment bitte
Durch die Eingliederung der Leistung „Prime Instant Video“ in das bestehende Programm „Amazon Prime“ ist es Amazon nicht möglich, Rechnungen für den Jahresbeitrag der Amazon Prime-Mitgliedschaft auszustellen. Die genannten Leistungen werden von der Amazon EU Sàrl und der LOVEFiLM Deutschland GmbH bereitgestellt. Bei Bedarf eines Beleges haben Sie jedoch, wie eingehend beschrieben, die Möglichkeit, sich eine Quittung auszudrucken.

In der Tat auf der Wisch-Wasch-Quittung steht die bekannte Amazon-Adresse in Luxemburg und eine „Amazon Instant Video Germany GmbH“ mit Sitz in München.
Also habe ich einen Vertrag mit einem deutschen Unternehmen abgeschlossen. Zugegeben, ich bin kein Steuerexperte, aber nach meinem Kenntnisstand muss jede Quittung und Rechnung in Deutschland ausgewiesene Mwst. beinhalten. Daher erhalte ich auch an der Supermarktkasse, an der Kinokasse im Parkhaus und sonst IMMER eine Quittung mit ausgewiesenen Mehrwertsteuern (sofern ich sie anfordere), nur – neuerdings – nicht bei Amazon.

Der arme Support-Mitarbeiter kann nichts dafür. Er kann nur mit den verfügbaren Textbausteinen jonglieren. Daher habe ich zum Ende des Chats um eine Weiterleitung des Themas gebeten. Er teilte mir mit, dass er bereits in Diskussion mit dem Vorgesetzten stehen würde. Kurze Zeit später erreichte mich folgende Email :

Guten Tag,

vielen Dank für Ihre Anfrage an Amazon.de.

Wie eben besprochen, werde ich das Thema beim nächsten Meeting aufgreifen und nochmal vortragen.

Ich wünsche noch einen angenehmen Abend.

XX

Das ist nett, hilft mir aber nicht die Antwort zu finden. Und somit bleibt die Frage:

Warum gibt es keinen Mehrwertsteuerausweis für die Amazon-Prime-Mitgliedschaft?

An der nötigen Technik kann es nicht liegen, denn zwischenzeitlich habe auch ich mal meinen Taschenrechner angeschmissen. Für die Prime-Mitgliedschaft habe ich 7,83 Euro Mwst. bezahlt. Vorausgesetzt Amazon versteuert die Mitgliedschaft in Deutschland bei einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent.

17. Februar 2015 by Technik
Categories: Allgemein | Tags: , , , , , | 6 comments

Comments (6)

  1. Bin jetzt auch kein Steuerexperte. Aber Amazon zahlt soweit ich es verstanden habe, so gut wie keine Steuern. Weil der Firmensitz in Luxemburg ist.

    Wen man mal bei Google nach „Amazon Steuern Luxemburg“ sucht, wird man da schnell fündig.

    Diese Steuertricks gibt es aber nicht nur bei Amazon. Microsoft, Google, Apple und auch Ikea bedienen sich da kräftig und zahlen hier in Deutschland kaum Steuern. Der Metzger um die Ecke zahlt häufig mehr als die.

    Es gab auch mal einen interessanten Bericht dazu im Fernsehen. Leider weiß ich nicht mehr welche Sendung das war. Finde das schon eine Dreistigkeit hoch drei, was solche Firmen hier in Deutschland so treiben.

  2. Na gut, aber auch von Microsoft und Apple bekomme ich beim Kauf hauseigener Produkte immer eine Rechnung mit Mehrwertsteuern. Dies ist für die Unternehmen ja nur ein durchlaufender Posten und zwingend notwendig, sagte mir heute mein Finanzamt. Auch bei Amazon gibt es in der Regel eine Rechnung, dann mit den in Luxemburg 17 Prozent gültigen Mwst.

  3. Tja, Amazon hält sich halt nicht an geltendes Gesetz. Seit 2015 müssen ausländische Firmen, die elektronische Dienstleistungen an Privatpersonen anbieten (Prime+Streaming), im Wohnsitzland des Leistungsempfängers abführen und von daher müsste Amazon m.E. die MwSt. ausweisen, auch lt. Gesetz.

  4. Ich ärgere mich auch darüber.

    Ich frage mich, warum das Finanzamt München dann nicht einschreitet, denn denen entgeht ja eine riesige Summe von Mehrwertsteuer-Einnahmen, wenn Amazon das nicht korrekt abführt. Das kann ich mir nicht vorstellen, denn die sind mit allen Wassern gewaschen.

    Ich glaube, dass Amazon die entstandene MWSt «korrekt» abführt, jedoch Amazon München wird wahrscheinlich nur für einen geringen Anteil dieser €49 die MWSt zahlen. Sie könnten einen Cent-Betrag daraus als «Vermittlungsprovision» oder als «Inkassoaufwand» deklarieren für ihr Hauptgeschäft in Luxembourg und somit die gesamte Mehrwertsteuer einsparen.

    Das ist der Grund, warum wir auch nur eine Quittung bekommen können.

    G.

  5. Dieses gleiche Problem hatte ich eben auch und bin 3 Amazon Mitarbeitern auf die Nerven gegangen… Die taten mir ja irgendwie leid. Denn ich kann sehr penetrant sein und würde sagen, dass meine Allgemeinbildung auf einem guten Niveau ist und ich schlagfertig sein kann.
    Die Herrschaften argumentierten ähnlich wie hier: Privatperson, bla bla bla…. Die letzte Mitarbeiterin sagte dann, dass es sich um einen Mitgliedsbeitrag handele und Mitgliedsbeiträge grundsätzlich MwSt frei seien. Mag sein… Ich bin kein Steuerexperte (zumindest kein Steuerberater). Kenne mich aber soweit aus, dass es wohl richtig ist, dass Mitgliedsbeiträge umsatzsteuerfrei sind. Das sagte ich auch der Mitarbeiterin: „Geschickter Schachzug von Amazon. Meines Wissens nach müssen gemeinnützige Organisationen keine MwSt auf Mitgliedschaften berechnen. Aber Amazon und gemeinnützig halte ih mal für ein großes Gerücht.“.

  6. @Levent: Die Aussage vom Support kann ich nicht ganz glauben. Demnach hätte der Bertelsmann-Club auf seine Mitgliedsbeiträge auch nie Mwst. berechnen dürfen. War das so? Ich war nie Mitglied.

    Als Gemeinnützig werden häufig Vereine, also e.V. angesehen, aber keine (oder nur selten?) GmbH (siehe Quittung oben). Drum gab es ja schon häufiger Diskussionen zu den Steuervorteilen von großen Bundesligisten. Inzwischen dürfte fast jeder Bundesligist dazu gelernt haben und seine Tagesgeschäfte an eine Tochter-GmbH ausgegliedert haben.

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