Nokia: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus

Foto: Microsoft Deutschland
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Microsoft will in den nächsten Monaten gewaltig Stellen abbauen. Die meisten Jobs werden beim frisch erworbenen Handyhersteller Nokia wegfallen. Bis zu 12.500 Arbeitsplätze werden in der Smartphone-Sparte wegfallen. Die meisten Jobs davon in Finnland, dem Mutterland von Nokia.
Somit ist es nicht verwunderlich, dass nun in Finnland der Aufschrei groß ist.
Die Zeitungen überschlagen sich mit Headlines zum Stellenabbau und der allgemeinen Negativ-Stimmung gegenüber Microsoft.
Auch die Politik wettert ordentlich gegen den Softwareriesen.
So sagte zum Beispiel die finnische Finanzministerin Antti Rinne im Interview: „Finnland wurde getäuscht“. Microsoft hätte laut der Ministerin bei der Übernahme von Nokia zugesichert „Engagement in Finnland zu zeigen“, das sei aber nicht erkennbar.
Im weiteren Gesprächsverlauf gibt Antti Rinne zu, dass sehr wohl mit einem Stellenabbau bei einer Übernahme gerechnet wurde.
Allerdings hätte Microsoft auch den Bau eines gigantischen Rechenzentrums in Finnland versprochen. Heute spricht in Redmond keiner mehr davon, zumindest aktuell nicht, ist aus finnischen Medien zu erfahren.

Dabei wäre sicherlich ohne Übernahme von Microsoft schon bald das Licht  bei Nokia ausgegangen. Somit sollte die finnische Regierung dem CEO Satya Nadella wohl eher die Füße küssen.
Denn ohne Übernahme wären jetzt nicht nur 12.500 Jobs weg, sondern in den nächsten Jahren alle 30.000 Arbeitsplätze, die Nokia (einst über 55.000 Arbeitsplätze) am Tag der Microsoft-Übernahme noch hatte.

Späte Gerechtigkeit?
Etwas zynisch kann man auch von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen.
Ich selbst habe seit 2008 kein Nokia-Handy mehr gekauft. Obwohl ich zuvor ein überzeugter Nokia-Liebhaber war. Doch die Geschäftspraktiken und vor allem die „mir doch egal-Haltung“ von Nokia hat mich seiner Zeit dazu veranlasst Produkte vom finnischen Handyhersteller zu meiden.
Vor inzwischen 6 Jahren hat Nokia sein Werk in Bochum geschlossen. 2300 Mitarbeiter waren in Bochum beschäftigt. Mehr als 2000 Mitarbeiter wurden über Nacht arbeitslos. Hinzu sind noch einmal rund 900 Leiharbeiter gekommen, die sicherlich größtenteils nach der Werksschließung 2008 auch auf der Straße standen.
Die Schließung wurde seiner Zeit damit begründet, dass die Produktion in Deutschland zu teuer sei. Dabei hat Nokia für den Standort in Bochum 88 Millionen (!!) Euro an Fördergelder erhalten und hat das Jahr 2007 mit einem Rekordgewinn von über 7,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Allein der Gewinn den das Werk in Bochum erwirtschaft hat belief sich auf über 130 Millionen Euro.
Somit gab es eigentlich keinen gescheiten Grund das Werk in Deutschland zu schließen.
Nokia entschied sich dennoch für die Werksschließung. Die 88 Millionen Euro die Nokia (von EU + Deutschland) für die Arbeitsplatzsicherung nur wenige Jahre zuvor erhalten hatte, störte dem Unternehmen genauso wenig wie die Schicksale der Mitarbeiter.